200 Forschende diskutieren in Leipzig die Zukunft nachhaltiger Chemie

Erster internationaler Wissenschaftskongress des Center for the Transformation of Chemistry bringt führende Forschende aus Deutschland und aller Welt zusammen

Mit rund 200 Teilnehmenden ist der erste Transforming Chemistry Summit des Center for the Transformation of Chemistry (CTC) erfolgreich zu Ende gegangen. Zwei Tage lang diskutierten renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aktuelle Entwicklungen in den Bereichen nachhaltige Chemie, Kreislaufwirtschaft, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und zukunftsfähige Stoffkreisläufe. Die Veranstaltung markiert den Auftakt eines neuen internationalen Wissenschaftsformats, das künftig jährlich stattfinden soll.

Zum offiziellen Auftakt begrüßten Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Seeberger, wissenschaftlicher Geschäftsführer des CTC, Prof. Dr. Eva Inés Obergfell, Rektorin der Universität Leipzig, und Prof. Dr. Heike Graßmann, Staatssekretärin im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, die Teilnehmenden.

„Die großen Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nur durch interdisziplinäre Forschung und internationale Zusammenarbeit bewältigen. Der Transforming Chemistry Summit hat gezeigt, wie groß das Interesse ist, wissenschaftliche Exzellenz auf den Feldern Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Chemie zu verbinden. Mitteldeutschland und auch Leipzig bieten dafür hervorragende Voraussetzungen“, sagte Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Seeberger.

„Die große internationale Resonanz auf den ersten Transforming Chemistry Summit zeigt, dass die Transformation der Chemie eine globale Aufgabe ist, die nur durch Zusammenarbeit über Länder- und Fachgrenzen hinweg gelingen kann. Für die Universität Leipzig ist die enge Partnerschaft mit dem Center for the Transformation of Chemistry ein wichtiger Baustein, um exzellente Forschung, wissenschaftlichen Nachwuchs und Transfer gemeinsam voranzubringen. Der Summit hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in diesem Netzwerk steckt“, sagte Prof. Dr. Eva Inés Obergfell, Rektorin der Universität Leipzig.

Prof. Dr. Heike Graßmann, Staatssekretärin im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, erklärte: „Mit dem Transforming Chemistry Summit ist es gelungen, ein neues wissenschaftliches Forum in Sachsen zu etablieren. Die Veranstaltung hat gezeigt, welche Innovationskraft entsteht, wenn Forschende unterschiedlicher Disziplinen und Nationen gemeinsam an Lösungen für zentrale Zukunftsfragen arbeiten.“

Künstliche Intelligenz, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Stoffkreisläufe im Fokus

Das Programm umfasste Plenarvorträge, wissenschaftliche Sessions, Posterpräsentationen und Diskussionsformate. Thematisch standen unter anderem KI-gestützte Chemieforschung, nachhaltige Katalyse, chemisches Recycling, erneuerbare Rohstoffe, automatisierte Syntheseplattformen sowie datengetriebene Methoden für die Entwicklung neuer Moleküle und Materialien im Mittelpunkt.

Zu den wissenschaftlichen Höhepunkten zählte der Vortrag des international renommierten Chemikers Prof. Bartosz Grzybowski von der UNIST (Ulsan National Institute of Science and Technology, Südkorea). Grzybowski gilt als einer der Pioniere bei der Anwendung Künstlicher Intelligenz in der Chemie. In seinem Vortrag zeigte er auf, wie moderne Algorithmen chemisches Wissen analysieren und neue Reaktionswege identifizieren können. Solche Ansätze könnten die Entwicklung nachhaltiger Chemikalien und Materialien künftig erheblich beschleunigen und neue Wege für eine ressourcenschonende Chemie eröffnen.

Weitere Impulse lieferten unter anderem Prof. Alexei Lapkin von der University of Cambridge zu nachhaltigen chemischen Wertschöpfungsketten, Prof. Philippe Schwaller von der EPFL Lausanne zur Nutzung von Sprachmodellen in der Chemie, Prof. Bert Sels von der KU Leuven zu nachhaltiger Katalyse sowie Prof. Katalin Barta von der Universität Graz, die neue Ansätze zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe vorstellte.

Ein wichtiger Bestandteil des Summits waren die wissenschaftlichen Posterpräsentationen. Für dieses Format hatten sich knapp 50 Forschende beworben. Auf den Postern präsentierten sie aktuelle Forschungsprojekte, Methoden und Ergebnisse in kompakter grafischer und textlicher Form und diskutierten ihre Arbeiten anschließend mit Fachkolleginnen und Fachkollegen. Den Posterpreis des Transforming Chemistry Summit 2026 erhielt Nora Beier von der Universität Leipzig. Ausgezeichnet wurde ihr Konzept für eine Art „Navigationssystem für Atome“, das sichtbar machen soll, welchen Weg einzelne Atome während chemischer Reaktionen nehmen. Die Jury bewertete unter anderem die wissenschaftliche Qualität, die Verständlichkeit der Darstellung, die visuelle Aufbereitung sowie die mündliche Präsentation der Forschungsarbeit.

Wissenschaft als Motor für den Strukturwandel

Auch Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow würdigte die Bedeutung des CTC und des neuen Kongressformats:

„Die Transformation der Chemie hin zu Zirkularität und Nachhaltigkeit ist mit Blick auf knapper werdende Ressourcen, Klimaschutz und Umweltzerstörung lebenswichtig. Das CTC kann gemeinsam mit internationalen Partnern bahnbrechende Lösungen finden. Dazu braucht es moderne Technologien, Datenwissenschaft und Künstliche Intelligenz, aber auch Materialwissenschaften, Rohstoffforschung oder Robotik. In all diesen Disziplinen hat das Wissenschaftsland Sachsen starke Kompetenzen, von denen das im Aufbau befindliche Großforschungszentrum CTC profitieren kann. Innovationen sollen sich über den Bereich Chemie hinaus in der Wirtschaft der Region, die sich nach dem Ende der Braunkohleförderung verändert, auszahlen, in Form neuer Arbeitsplätze und durch Wachstum.“

Fortsetzung bereits geplant

Nach der erfolgreichen Premiere laufen bereits die Vorbereitungen für den nächsten Transforming Chemistry Summit. Dieser soll Mitte September 2027 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg stattfinden und den begonnenen internationalen Austausch fortführen.

Für das Center for the Transformation of Chemistry markiert der Auftaktkongress einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Etablierung einer starken internationalen Community für die Forschung an nachhaltigen chemischen Prozessen und Stoffkreisläufen.

Über das Center for the Transformation of Chemistry (CTC)

Chemie neu denken – Das Center for the Transformation of Chemistry (CTC) ist das erste Großforschungszentrum in Deutschland, das sich der Kreislaufwirtschaft in der Chemie widmet. Seine Mission ist es, die Transformation der chemischen Industrie voranzutreiben – für eine nachhaltigere Zukunft. Das CTC wurde Ende 2025 als gemeinnützige GmbH gegründet und soll bis 2038 auf bis zu 1.000 Mitarbeitende wachsen.

Gemeinsam wird das Team an zwei visionären Moonshots für die Chemie arbeiten: dem vollständig recycelbaren Auto und dem autonomen Labor. Mit dauerhaften Standorten in Delitzsch (Sachsen) und Merseburg (Sachsen-Anhalt) wird das CTC den Strukturwandel in Mitteldeutschland voranbringen. Das CTC wird finanziert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, dem Freistaat Sachsen sowie dem Land Sachsen-Anhalt.

Rund 200 Teilnehmende vor dem Hörsaalgebäude der sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig.

v.l.n.r.: Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Seeberger (wissenschaftlicher Geschäftsführer CTC), Prof. Dr. Eva Inés Obergfell (Rektorin Universität Leipzig), Prof. Dr. Heike Graßmann (Staatssekretärin im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus), Christian Harringa (administrativer Geschäftsführer CTC).

v.l.n.r.: Nora Beier von der Universität Leipzig gewinnt den Posterpreis, Theodore Tyrikos-Ergas, Leiter Talentschmiede

Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Seeberger im Interview

Prof. Dr. Bartosz Grzybowski (UNIST) spricht über KI in der Chemie

Anregende Diskussionen und Gespräche innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft.

Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Seeberger eröffnet den Transforming Chemistry Summit. 

Knapp 50 Poster stehen zur Präsentation und Diskussion. 

Die Teilnehmenden setzen sich mit den Veränderungen in der Chemie auseinander.